Angeklagter im Syrien-Folterprozess vor dem Oberlandesgericht Koblenz. Foto: dpa

Gegen die Straflosigkeit der Täter – Gerechtigkeit für die Opfer!

Das Filmprojekt „Von Innen und Außen“ von Studierenden der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

Aus den unterschiedlichsten Motiven sind Menschen aus Syrien geflohen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Es kamen die, die durch Folter kaum vorstellbares Leid erfahren haben. Und es kamen auch jene, die für dieses Leid verantwortlich sind.

In Deutschland treffen nun diese beiden Gruppen aufeinander.

 

Auch Anwar Al-Bunni, ein syrischer Menschenrechtsanwalt, musste nach seiner Verhaftung das Land verlassen und lebt seit 2014 mit seiner Familie in Berlin. Er hat bald angefangen, Opfer zu befragen, nach Tätern zu suchen, Zeugenaussagen aufzunehmen und mit Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten. Um eines Tages – das ist sein Ziel – doch noch Gerechtigkeit für die Opfer erwirken zu können.

 

Auch infolge dieser überaus aufwendigen Arbeit des engagierten Anwalts, konnte im April 2020 nach dem sogenannten Weltrechtsprinzip in Koblenz der weltweit erste Prozess wegen staatlicher Folter in Syrien beginnen. Hauptangeklagter ist der syrische Staatsbürger Anwar R., dem Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt werden. Er soll als ehemaliger Abteilungsleiter im berüchtigten Al-Khatib-Gefängnis in Damaskus für Tötungen und Folterungen von mehreren Tausend Menschen verantwortlich sein.

Der syrische Menschenrechtsanwalt Anwar Al-Bunni. Foto: Stefanie Loos

„Auch wenn alles lange dauert und nichts morgen passiert und auch nicht übermorgen … dieser Prozess in Deutschland … gibt uns Überlebenden Hoffnung auf Gerechtigkeit. Ich bin bereit auszusagen“ wird ein Syrer zitiert, der im Al-Khatib-Gefängnis gefoltert worden ist.

 

Aber was bedeutet es eigentlich, in einem Land, in dem man Sicherheit suchte und einen Neuanfang wollte, mit der Vergangenheit seiner alten Heimat konfrontiert zu werden? Werden Verdrängungsprozesse dadurch gestört und ein neuer Anfang erschwert oder bietet das Strafverfahren den Beteiligten die Gelegenheit, sich endlich wieder als Handelnde zu begreifen, die dazu beitragen können, dass ihnen und anderen Gerechtigkeit widerfährt?

 

Genau dieser Frage gehen Studierende der Filmuniversität Babelsberg in einem Kurzdokumentarfilm nach.
Der Regisseur Dyaa Naim und die Producerinnen Fritzie Benesch und Charlotte Jülide Hansen begleiten Anwar Al-Bunni bei seiner Arbeit und gehen auch zu ihm nach Hause, erzählen von seinem Leben in seiner Familie. Der Regisseur Dyaa Naim kommt selber aus Syrien. Man redet arabisch im Film.

 

„Es war uns sehr wichtig“, sagen die Studierenden, “das sensible und diverse Thema der Flucht nicht wie so oft aus einer rein eurozentristischen Sicht zu erzählen. Daher haben wir uns sehr gefreut, in unserem Team mit Menschen zu arbeiten, die selbst aus Syrien stammen. Doch auch wenn es in unserem konkreten Fall um Syrien geht, ist es ein Thema, dass sich allgemein auf viele Weltgeschehnisse übertragen lässt. Folter und Gewaltverbrechen haben weder eine Nationalität noch eine Kulturzugehörigkeit“.

 

Die Stiftung Menschenrechte freut sich, das Filmprojekt finanziell zu unterstützen.